Donnerstag, 2. Juni 2016

Schietwetter gibt es auch in Nord-Tansania

Hallihallo, ich bin's, Lynn. Falls ihr vergessen haben solltet, wer ich bin.  Jaja, ich weiß, es ist schon wieder viel zu lange her, dass ich was geschrieben habe. Und ich habe ehrlich gesagt auch keine guten Ausreden... deswegen belasse ich es jetzt einfach dabei und berichte von meinen letzten drei Monaten.

Fangen wir, wie bei jedem guten Smalltalk, mit dem Wetter an. Wer sich jetzt übers deutsche Wetter beschwert, der tut dies zu Unrecht. In meinen Bergen hat es März und April tagelang durch geregnet. Und wenn es dann mal aufgehört hat, konnte man sich sicher sein, dass es in den nächsten paar Minuten wieder anfängt. In Deutschland würde ich mir eine Regenjacke anziehen, einen Regenschirm schnappen und auf gehts. Den Bus oder das Auto nehmen. Aber wenn es hier mal einen Vormittag regnet, dann ist es fast unmöglich, zu Fuß irgendwo anzukommen, ohne sich einmal auf die Schnauze zu legen. Ganz zu schweigen von den Bodabodas, Bussen und Autos, die sich gefährlich schlingernd und rutschend durch den mehr als knöchelhohen Matsch kämpfen. Wenn man also um halb sieben seinen 1 1/2-stündigen Fußmarsch zur Schule antritt, dann ist die Laune schon wieder im Keller.

Und so kommen wir zu einer weiteren Hürde, die mir momentan ständig zu hoch scheint. Der lange Schulweg. Ich gehe den nur vier mal die Woche, aber jedes mal ist es ein innerer Kampf, mich auf den Weg zu machen. 1 1/2 Stunden, mal mehr, mal weniger steil, wäre ich zuhause nie freiwillig zu Fuß gegangen - das hat sogar meine Mama gesagt.

Ansonsten ist meine Arbeit so eine Sache. Ja, ich weiß, ich hab gesagt man muss es alles positiv sehen. Das geht aber leider nicht immer. In der Secundary School konnte ich leider keine weiteren Unterrichtsstunden ergattern. Meine sechs Stunden in der Woche müssen mir also ausreichen. Und die sind so lala.. Ich habe zwei Klassen à 90 Schüler. Eigentlich habe ich den Frontalunterricht als Schüler auch total verachtet, doch jetzt als Möchtegern-Lehrerin, ohne Material und vor 90 Schülern ohne jegliche Englischkenntnisse, bleibt mir nicht wirklich was anderes übrig. Und wenn dann noch dazu kommt, dass mein Kiswahili noch nicht so richtig fließt, kann man sich vorstellen, wie ich mich manchmal zum Affen mache, um mit Füßen und Händen den Schülerhaufen beizubringen, wie man einen elektrischen Schock behandelt. Es wäre aber auch wiederum gelogen, wenn ich sagen würde, das würde mir keinen Spaß machen. Die Frage ist nur, ob die Schüler es so besser verstehen. Die Klausuren sehen nämlich nicht so aus...

Nach der Schule gehe ich dann ja immer ins Jugendzentrum. Und aus dem ehemaligen Englischkurs für Erwachsene ist nach und nach ein Kinder-Club geworden. Eigentlich ist das ja genau das, was ich von Anfang an wollte - hab mir das aber ganz anders vorgestellt. Die Knirpse sind zwischen 6 und 11 und wollte anfangs noch Englisch lernen, passen dann aber gar nicht auf. Die Lieder (z.B. "Head, shoulders, knees and toes", "If you're happy and you know it, clap your hands") finden sie auch doof. Und vier mal die Woche "Reise nach Jerusalem", Zeitungs- und Stopptanz zu spielen wird auch irgendwann langweilig. Und was kann man noch machen? (Für Vorschläge bin ich offen.)
Doof nur, dass es kein Material gibt, außer ein paar Büchern. Da kam Carlota auf die Idee, einfach mal Faber-Castell um eine Spende zu bitten. Ohne zu viel davon zu erwarten, hab ich das einfach mal gemacht, und - tatsächlich - eine Antwort bekommen. Sie wollen etwas spenden!

Mein Jugendclub in Masange kommt momentan leider gar nicht mehr zu Stande. Entweder gießt es wie aus Eimern und es ist unmöglich, überhaupt da anzukommen. Oder ich rufe rechtzeitig ein Bodaboda, das dann Ewigkeiten nicht kommt. Dann bin ich zu spät und die Schüler sind schon nach Hause gegangen oder haben andere Aufgaben bekommen. Oder ich bin rechtzeitig und dann heißt es, die Schüler schreiben heute Examen, oder es gibt andere Gründe, warum der Club mal wieder nicht stattfinden kann..

Im Großen und ganzen, vielleicht hat man das gemerkt, habe ich ein kleines großes Motivationsproblem und wünschte, ich würde nicht zu viel darüber nachdenken, worauf ICH gerade Lust habe. Denn ich merke, auch wenn es in meinen Augen langweilig ist, und ich eigentlich gerade gar nichts bewege, freuen sich die Kinder, egal ob Schule, Jugendzentrum oder Zuhause in meiner Nachbarschaft, dass ich da bin. Also ist doch nicht alles umsonst, oder?

Ansonsten war ich hin und wieder mal in Tanga. Über Ostern, um Carlota - äh Upendo - bei ihrer aufgezwungenen Taufe beizustehen (haha), oder mal wieder ein Visumsproblem zu klären (letztendlich hab ich dann insgesamt 1000$ für diesen Scheiß ausgegeben und wetten am Ende fragt sowieso kein Schwein mehr nach? Grrrrrrr!). Und wir sind für ein Wochenende nach Dar es Salaam gefahren, um in den Mai zu feiern. Vor zwei Wochen haben wir dann die Nachricht von Luise, eine Kolping-Freiwillige aus Bukoba (nördlichster und westlicher Nord-Westen am Viktoriasee), bekommen, dass am kommenden Samstag ein Festival in Mwanza (östliche Seite des Viktoriasees, aber immer noch nördlichster Nord-Westen) stattfindet, auf dem Diamond Platnumz (der tansanische Justin Bieber) und Ne-yo auftreten sollten. Da mussten wir natürlich hin - nur leider auf der anderen Seite Tansanias und zwei ganze Tage Busfahrt entfernt. Carlota: "Ich sterbe, wenn ich das nicht sehe!" Ich: "Wär doch cool, wenn man sagen kann, man hat Diamond Platnumz live gesehen." Also, Flugtickets gebucht und am Freitag nach Dar es Salaam, um von da nach Mwanza zu fliegen.
Im Nachhinein war das Festival sogar ganz cool. Währenddessen... naja. Es wurde irgendwie viel zu viel gelabert, die beiden Hauptacts kamen erst um zwei Uhr morgens, man hat kaum was gesehen und die Kerle hier sind - echt anstrengend! Aber, hey! Ich hab Diamond und Ne-yo live gesehen, und das (ohne die Anreise) für umgerechnet 4€...
Danach bin ich noch ganz spontan nach Bukoba mit Luise und Johanna gefahren, um mal deren Projekt anzusehen und ihre Familien kennenzulernen, und da haben sich die ätzenden Busfahrten auf jeden Fall gelohnt! In Bukoba habe ich sogar Wolle gefunden und ich habe schon ganz viele Freundschaftsbänder mit meinem Gastbruder geknüpft und versuche es auch (bis jetzt noch ziemlich erfolglos) den Kleinen im Jugendzentrum beizubringen.
Auf dem Rückweg habe ich jeweils noch einen Tag in Mwanza und Arusha verbracht und am Sonntag Nachmittag wieder zu Hause angekommen. Schon krass, wie stark dieses "Zuhause-sein-Gefühl" ist, nach gerade mal 10 Tagen...

Nur leider, aber auch zum Glück, geht's für mich nächste Woche schon wieder auf Reisen. Ich habe nämlich fünf Wochen Ferien und die will ich nutzen. Ich hab schließlich noch nicht so viel von Tansania gesehen. Und es soll nicht nur Tansania sein.. Seid gespannt. Ich werde euch berichten... wenn auch wieder etwas verspätet.. ups.

Bis dahin!

Seid nett zu anderen!

Baadaye,
Lynn

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