Samstag, 25. Juni 2016

Einmal um den Lake Victoria (Teil 1)

Anfang Juni hab ich meinen Backpack gepackt. Es sind Schulferien und endlich geht meine große Reise los. Der Plan war, nicht zu planen. Und der ist bis jetzt super aufgegangen. Ich habe mir nur vorgenommen, einmal alle Freiwilligen in Tansania, Uganda und Kenia zu besuchen.
Mein erstes Ziel war mal wieder Tanga. Denn es war Carlotas Geburtstag und da musste ich sie natürlich besuchen. Mein Geburtstagsgeschenk, wie sollte es auch anders sein, war, sie zum Essen einzuladen. Letztendlich haben wir mehr Zeit damit verbracht, etwas zu essen zu suchen, denn ein Großteil der Bewohner Tangas glaubt an den Islam und hat im Juni und Juli seinen heiligen Monat, in dem nur zwischen Sonnenuntergang und -aufgang gegessen werden darf (an dieser Stelle größten Respekt dafür!).

Nach Tanga war eigentlich Bagamoyo geplant. Die Stadt liegt ebenfalls an der Küste, weiter südlich, und ist vor allem für ihre Geschichte bekannt. Bagamoyo (z.dt. wirf dein Herz weg) war nämlich nicht nur die Hauptstadt der deutschen Kolonie, sondern auch Dreh- und Angelpunkt für den Sklavenhandel in Tansania und ich hätte sehr gerne ein, zwei Tage dort verbracht. Ich bekam aber die Nachricht von meiner Freundin Annika, die ich in Lushoto kennengelernt habe, da sie dort in einem Touristenbüro arbeitet, dass sie und eine andere Freiwillige aus Lushoto, Charly, in der Zeit gerne eine Safari machen würden. Also habe ich mich kurzerhand entschieden, Bagamoyo auf dann-wenn-ich-wiederkomme-und-das-werde-ich-ganz-sicher zu verschieben und bin direkt nach Dar es Salaam gereist. Dort habe ich meine große Gastschwester Violet getroffen. Die einzige meiner Gastfamilie, die ich noch nicht kennengelernt habe. Sie hat mich am Busbahnhof abgeholt (sie sieht genauso aus, wie Ruth) und mich zu ihr nachhause begleitet, ihrer Familie vorgestellt, mir ganz leckeres Essen gekocht und mich mit in ihrem Bett schlafen lassen. Und wieder ist mir aufgefallen, was für ein Glück ich mit meiner Gastfamilie habe. Ich fühle mich wie ein Teil dieser Familie - es ist mein Zuhause und das lassen sie mich täglich spüren.

Leider war die Zeit bei "Dada Vi" viel zu kurz, denn schon am nächsten Morgen habe ich mich dann mit Annika, Charly und einem Freund der beiden, Sam, wieder am Busbahnhof getroffen. Sam ist Tourguide und bietet ganz viele Aktivitäten an; von Mehrtages-Safaris in Nationalparks, über kurze Trips zu Wasserfällen, bis zum Erklimmen des Kilimanjaros. Unser Vorteil: Er ist ein Freund. Annika und Charly waren schon ein paar Tage vor mir in Dar, und haben mit Sam einen sehr guten Preis für eine Safari über zwei Tage, eine Nacht, im Nationalpark Mikumi (Southern Circuit),in der Nähe vom Morogoro, ausgehandelt. Er hat sich um eine Unterkunft in Morogoro, ein Auto mit Dachluke, Zelte und Isomatten gekümmert. Abends in Morogoro haben wir auf dem Markt Obst, Gemüse, Reis und sonstiges eingekauft und uns bei Sams Babu (z.dt. Opa) Töpfe und Kochlöffel ausgeliehen. Am nächsten Morgen haben wir uns schon bei Sonnenaufgang um sechs auf den Weg zum Nationalpark gemacht.
Schon der erste Tag war ein voller Erfolg, wir haben ganz viele Gazellen, Affen, Vögel, Hippos, Zebras, Giraffen, Gnus, Warzenschweine (sie haben leider nicht auf Anfrage "Hakuna Matata" gesungen), Büffel, afrikanische Wildhunde, Krokodile, große Eidechsen und sogar, besonders zu meiner Freude, ganze vier Elefanten gesehen. Am späten Nachmittag haben wir dann unser Nachtlager hergerichtet: Zelte aufgebaut und Holz gesammelt. Zum Sonnenuntergang sind wir nochmal los, auf Löwenjagd, denn den haben wir leider noch nicht gesehen, wahrscheinlich, weil es tagsüber zu heiß war und er sich dann lieber in kühle Schattenplätzchen zurückzieht. Leider wir wieder erfolglos.
Wieder am Zeltplatz angekommen, den wir übrigens nur für uns alleine hatten, haben wir Feuer gemacht, Reis mit Guacamole, Soße und Spinat gemacht, ein Bierchen getrunken und bis spät in die Nacht am Feuer gesessen. Nach einer sehr kurzen und eiskalten Nacht, in der wir sogar das dreckige Lachen einiger Hyänen und das Brüllen eines Löwen gehört haben, sind wir zum Sonnenaufgang aufgestanden. Denn das Brüllen reichte uns nicht, wir wollten den Löwen ja auch sehen. Also, schnell ins Auto gehüpft und uns auf den Weg auf die andere Seite des Parks gemacht. Nur leider war das Gras dort viel zu hoch. Wir haben noch ganz viele weitere Zebras und Giraffen gesehen, aber keinen Löwen. Dafür wurden wir für eine knappe Stunde von einem Schwarm Tse-Tse-Fliegen, die mindestens so fiese sind wie Bremsen, verfolgt.
Nachmittags haben wir die Löwenjagd aufgegeben und uns auf den Rückweg gemacht. Wir sind noch einen weiteren Tag in Morogoro geblieben, um uns von Sam noch einen Wasserfall in den Bergen zeigen zu lassen und unseren sehr witzigen Trip im Club (wir waren die einzigen - wahrscheinlich wegen Ramadhan) zu feiern. Am nächsten Morgen nahmen Charly, Annika und ich den Bus nach Iringa. Ich habe mich spontan entschieden, ihre Reise in den Süden mitzumachen, da die Freiwilligen aus Singida, die ich nach Morogoro besuchen wollte, doofer Weise zur selben Zeit nach Tanga gereist sind.
In Iringa waren wir nur einen vollen Tag. Nach unsere Ankunft waren wir bei "Mama Iringa" und haben unseren Pizza-Hunger gestillt. Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Coaster (Kleinbus) in ein sehr wüstiges Gebiet, wo wir uns riesige, von Erosion gebildete Sand-Säulen anschauten und durch einen ausgetrockneten See wanderten. Nachmittags trödelten wir über den Masai-Markt und deckten uns mit allerlei Schmuck und Deko ein. Danach nahmen wir ein Bodaboda zu einem riesigen Stein außerhalb der Innenstadt, auf den man draufklettern konnte, und genossen dort (alleine!) den tansanischen, roten Sonnenuntergang.

Fortsetzung folgt...

Seid nett zu anderen!

Baadaye,
Lynn

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