Samstag, 19. März 2016

Endlich arbeiten!

17.02.2016
Jetzt bin ich schon seit ziemlich genau fünf Monaten hier und wie Du ja weißt, war das bis jetzt mit dem Arbeiten so eine Sache.
Ende Februar geht es für mich nach Moshi zum Zwischenseminar von Kolping, wo wir endlich ganz viele andere Freiwillige, die wir schon auf den Vorbereitungsseminaren kennengelernt haben, wiedersehen. Aus Malawi, Kenia, Uganda und Tansania sind alle nach Moshi gekommen, um sich auszutauschen: Was arbeitest Du? Wie lebst Du? Wie kommst Du zurecht? Gefällt es Dir? Insgesamt eine sehr interessante, entspannte und lustige Woche. Kleine Information am Rande: Von insgesamt 25 Freiwilligen aus Ostafrika haben bisher nur Gabi, Carlota und ich ein Visum…
Auf dem Heimweg bin ich dann wieder voller Motivation, mein Arbeitsproblem in den Griff zu bekommen und rufe noch am selben Tag David an.
Am nächsten Mittwoch treffe ich mich dann auch schon mit dem Schulleiter einer Secundary School in einem etwas weiter entfernten Dorf namens Masange und stelle ihm meine Ideen vor: Eine Debating Class, in der ich mit den Schülern über aktuelle Themen diskutiere und wo ich auch gerne eine Briefkooperation mit meiner alten Schule in Hamburg einführen möchte. Und ein Youth Club, in dem wir, ganz nach den Interessen der Schüler, Spiele spielen, Fußball spielen, Musik machen, Spaß haben. Der Schulleiter ist ganz davon begeistert und fragt: „Hast du heute noch was vor? Dann kann ich dich und deine Clubs noch heute Nachmittag den Schülern vorstellen.“ Und da ich ja sowieso nichts zu tun habe und die Fahrt mit dem Bodaboda (Motorradtaxi) von Misalai nach Masange mit fünf tausend Schilling eher teuer ist, stimme ich natürlich zu.
Die Zeit überbrücke ich dann im Lehrerzimmer, wo ich mich direkt mit den Lehrern anfreunde und zu den ersten Gruppenselfies gedrängt werde.
Nach der letzten Schulstunde gibt es dann, wie jeden Tag, eine Zusammenkunft mit allen Schülern und Lehrern. Die Schüler reihen sich nach Klassenstufen auf und ich soll mich vorstellen. Kurz darauf fragt der Schulleiter, wer denn die Liste für meine Clubs hat. Und ich bin erstmal begeistert: „Wow, der hat schon Listen rumgereicht?!“ Eine Schülerin kommt vor, reicht ihm die Liste, er schaut drauf, dreht sich zu mir und sagt: „113 Schüler würden sich für deine Clubs interessieren.“ Schock! Wie soll ich denn bitte mit 113 Schülern diskutieren? Oder gar meine tollen Zeltlagerspiele spielen? Natürlich war es gut, dass so viele Bock haben, was mit mir zu machen, aber 113?? Ich sage zum Schulleiter, es wäre vielleicht `ne gute Idee, die Schüler in mindestens zwei Gruppen aufteilen. Er stimmt mir zu und fragt mich, ob meinen Club heute im Klassenraum machen möchte. „Äh, wie jetzt, fang ich… fang ich heute schon an? Ich hab gar nix vorbereitet..?“ Ich stehe also an der Tür und sehe eine riesige Menschenmasse in den Raum stürmen und denke mir, wird schon nicht so schlimm werden.
Am Ende sind es etwa 70 SchülerInnen im Alter von zwölf bis 18 Jahren und ich lasse eine Liste rumgehen, um einen Überblick zu haben, was denn da in meiner Debating Class sitzt. Nachdem ich dann nach einem Thema frage, worüber sie denn diskutieren wollen, zerlegen sie eigentlich ganz ordentlich die Frage „Was ist wichtiger: Lehrer oder Doktor?“.
Am Donnerstag fahre ich noch einmal nach Masange. Am diesem Tag soll ich meinen Youth Club führen. Wir gehen zum Fußballplatz und ich versuche ihnen verzweifelt und erfolglos das Spiel „Spinne und Fliege“/“Atomic“ zu erklären. Problem: Alleine das normale Ticken, was wir schon im Kindergarten gespielt haben, kennen sie nicht. Also spielen wir Sing-Tanz-Klatsch-Spiele, womit ich zwar nicht die Älteren überzeugen konnte, doch die Jüngeren hatten ihren Spaß – und ich auch!
Am Wochenende treffe ich mich mit meinem TAYODEA-Kollegen Rodgers, der mir erzählte, dass eine Seminargruppe, die die Woche zuvor ein Seminar belegt hat unter dem Namen „How to establish your own business“, nun gerne Englisch lernen würde. Eine Woche drauf treffen wir uns mit dieser Gruppe und machen Termine fest: „Lynn, wann hast du Zeit?“ – „Also, außer dienstags und donnerstags eigentlich immer.“ - „Okay, dann treffen wir uns montags, mittwochs, freitags, samstags und sonntags!“ …………
Gegen den Sonntag kann ich mich zum Glück noch wehren. Wir einigen uns auf 15:30 und ich komme um 16:00 - man hat ja schon mal von dem tansanischen Zeitverständnis gehört.
Am Montag ist meine erste Stunde. Um 16:00 bin ich alleine. Um kurz nach vier kommt der Lehrer, der mich unterstützen soll. Um 16:15 kommen zwei Schüler. Um halb fünf fangen wir mit diesen beiden einfach an. Um 17:15, also eine viertel Stunde vor Schluss, sind wir dann vollständig.
Und ich muss bei Adam und Eva anfangen. „Was heißt ich auf Englisch? …. Keiner?“ Es ist nicht einfach, zumal mein Swahili nicht viel besser fließt, als das Wasser in meinem Zuhause. Dafür ist diese Arbeit aber in meinen Augen sinnvoll. Wenn es jemand anderes machen würde, dann wäre es wahrscheinlich, dass nach Geld verlangt wird. So bleibt es kostenfrei für jeden.
Und hey, ich habe einen ganzen Blog über Arbeit schreiben können, und ist das nicht geil?!

Seid nett zu anderen!

Baadaye, Lynn

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen