Dienstag, 19. Januar 2016

Großfamilie Ahoi


Ich habe schon oft von einer liebevollen Familie erzählt und die Namen Rehema und David sind mindestens genauso oft gefallen. Nur gibt es dabei zwei Probleme: Erstens habe ich nie so wirklich verraten, wer das überhaupt ist und zweitens sind das ja bei weitem noch nicht alle, die sich hier jeden Tag liebevoll und auf ganz unterschiedliche Art und Weise um mich sorgen.

Fangen wir bei Mama an. Sie heißt Christina (62), wird aber von jedem Mama oder Bibi (z.dt. Oma) genannt. Sie ist eine kleine, aber sehr aufgeweckte Frau. Sie spricht zwar außer "yes" kein Wort Englisch, doch stellt das kein Problem dar, sich mit ihr auszutauschen. Auch von außerhalb habe ich schon oft gehört, sie sei eine „sehr ehrenhafte“ Frau, und da kann ich nur zustimmen. Und sie kocht hervorragend! Mama arbeitet viel auf dem Feld, während Frauen in ihrem Alter in Deutschland wahrscheinlich kaum noch das Haus verlassen.
Baba John (z.dt. Papa, 73) gibt es natürlich auch. Den konnte ich leider erst an Weihnachten kennenlernen, da er gesundheitsbedingt in Dar es Salaam bei der ältesten Tochter (die ich noch nicht kenne) wohnt. Aber an Weihnachten habe ich meine Chance bekommen. Baba ist hier in den umliegenden Dörfern ein sehr beliebter Mann und jetzt weiß ich auch warum! Ema: "Baba war ein Styler - wie ich!"
Der älteste Sohn ist David (45). Er hat TAYODEA gegründet und ist somit nicht nur mein Gastbruder in Misalai, sondern auch mein Gastpapa in Tanga und mein Projektpartner. Er hat immer ein offenes Ohr und bemüht sich sehr, unsere Wünsche zu erfüllen.
Nach David kommt Leonard. Der wohnt nur den Berg hinunter. Er kommt fast täglich vorbei, da sein Sohn John hier lebt.
Steven ist der drittälteste Sohn und wohnt mit seiner Familie auch nicht weit entfernt. Leonards Sohn John ist 15 Jahre alt und immer darauf erpicht, mir Swahili und Sambaa beizubringen und selber Englisch zu lernen. Außerdem ist er der beste Maandazi-Bäcker (Maandazi sind frittierte Brötchen)! Er wird immer John mkubwa (z.dt. groß) genannt, da es noch einen anderen John gibt, John mdogo (z.dt. klein), der etwa 5 ist. Er macht gerne Quatsch, der nicht jedem gefällt und fängt sich täglich wegen irgendwas Ärger ein. Doch ist er eigentlich ein ganz liebenswürdiger kleiner Kerl, der jetzt auch endlich mir gegenüber ein bisschen auftaut und auch mal mit mir spricht. Jetzt schläft er regelmäßig abends auf meinem Schoß ein.
Seine Mama Ruth (34) ist die zweitälteste Tochter und wohnt auch in meinem Haus. Sie spricht auch sehr wenig Englisch, doch das ist kein Grund, sie weniger zu mögen. Auch sie habe ich sehr ins Herz geschlossen – und das nicht nur, weil sie, wie Mama, gut kocht!
Lydia ist meine dritte Gastschwester. Sie wohnt mit ihrer Familie in Tanga und arbeitet im TAYODEA-Office, wo ich sie kennengelernt habe.
Die jüngste Tochter ist, du kennst sie schon, Rehema. Mit ihr verbringe ich am meisten Zeit. Sie ist 21 Jahre alt und spricht mit David am besten Englisch. Sie ist nicht nur meine Dolmetscherin oder kocht für mich, sondern ist auch immer für mich da, wenn ich sonst etwas brauche. Außerdem arbeiten wir, wie du ja schon weißt, zusammen in der Bibliothek der Grundschule.
Der Jüngste ist Ema(nuel). Er ist nur ein halbes Jahr älter als ich und ist so eine richtige Labertasche, ein Witzbold und, wie er sich gerne bezeichnet, ein „Swagger of Tanzania“. Er ist also für mein Entertainment zuständig.
Als letztes wohnt da dann noch Shemtoi (13) bei uns. Er ist der Einzige, der nicht wirkich verwandt ist. Doch wird er hier genauso liebevoll aufgenommen wie ich und jedes andere „leibliche“ Kind.
Damit ist das Haus auch schon voll. Doch jeder ist hier immer herzlich willkommen. Die Nachbarskinder gehen hier ein und aus, ständig isst jemand bei uns und Langzeitbesuch wird, auch wenn er noch so spontan ist, herzlich empfangen. Ich genieße das sehr, denn das Haus ist nie verlassen. Und auch wenn ich noch sehr hinterherhänge, was die Sprachen angeht, bin ich trotzdem immer im Kontakt mit Menschen jeden Alters und versuche mich zu verständigen, auf welcher Art auch immer.

Seid nett zu anderen!
Baadaye, Lynn

PS: Keine Garantie für die Altersangaben und Schreibweise der Namen…


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