Dienstag, 19. Januar 2016

Hast du etwas Zeit für mich, dann schreibe ich dir ein Bericht, von mehr als 99 Zeilen und wie sowas von sowas kommt...


14.1.2016

Frohes Neues, lang ist's her, dass du von mir gehört hast. Es ist seit dem letzten Mal aber auch einiges passiert. Ich konnte endlich wieder nach Hause in meine Berge fahren, habe nach Unmengen an Komplikationen endlich mein Visum bekommen, habe Weihnahten gefeiert, habe Silvester auf Sansibar verbracht und Gabi aus Uganda mein Zuhause gezeigt.

Jetzt aber nochmal ausführlicher:

Ich bin am Ende einen Monat und eine Woche in Tanga gewesen, bis ich endlich die Bestätigung bekomme, auf der steht, dass mein Work Permit in Arbeit ist,  und endlich wieder zu meiner Familie in die Usambara Moubtains zurückkehren kann. Am Ende bin ich eigentlich nur sprachlos was die Beamten angeht, die sich um mein Visum kümmerten und eigentlich mag ich auch nicht all zu lange darüber reden. Aber dies ist klar: Es hätte zwei Wochen dauern können, mir ist dadurch nur Zeit verloren gegangen, die deutschen Behörden sind doch nicht so hoffnungslos, wie man immer sagt , und weißt du was? Am Ende war es ein rosa Schmierzettel ohne Stempel, bloß ein Datum und eine Unterschrift, den ich mir mit Paint ohne Umstände hatte selber zusammenbasteln können und da keine 500$ für hätte bezahlen müssen. Und ach ja, laut meinem Work Permit bin in aus den Niederlanden... Warte, was? "Nicht so schlimm" sagt David, "Ich kümmere mich drum".
Wie auch immer, nach ein bisschen aufregen und sich lustig machen ist mir das dann auch erstmal egal, Ich hab ja zumindest etwas zum vorzeigen und dachte, voll motiviert, "Ja, jetzt kann ich ja bis Weihnachten endlich ein bisschen arbeiten!"

Pustekuchen!

Die Schulen schließen genau dann alle wegen Ferien und die konstruktiven Ideen, die ich für das Jugendzentrum habe (Bücherregal, Programmtafel, Schild) kann ich auch nicht umsetzen, da der (einzige) Tischler um die Ecke "noch genug Auträge bis Weihnachten und danach Weihnachtspause bis Mitte Januar" hat. Aber wie mein Bruder schon so schön (?) sagt: "Jetzt ist es auch, wie lange es noch dauert".

Bis Weihnachten verbringe ich also meine Zeit zuhause. Schlafe lange, bin viel mit meinen Gastgeschwistern unterwegs, lese, gucke Filme, helfe beim Kochen und gebe den Nachbarskindern Englischnachhilfe - eigentlich auch nicht so schlecht.

Und plötzlich steht Weihnachten vor der Tür. Irgendwie viel zu schnell. So etwas wie eine Vorweihnachtszeit gibt es nicht. Wahrscheinlich, weil die Christen in meinem Dorf deutlich in Unterzahl sind. Also keine Lichterketten, keine Kerzen, kein Christstollen und keine Kekse und vor allem - kein Weihnahtsmarkt, keine Kälte, kein Schnee.
Ich frage mich, ob meine Familie überhaupt Weihnachten feiert. "Ja, naturlich!" sagt meine Gastschwester. "Die ganze Familie kommt, wir ziehen uns alle schick an, gehen morgens zur Kirche, es wird sich was geschenkt, getanzt, gefeiert."
Ich ziehe also noch am 24. vormittags los, um mir noch eine schöne Bluse schneidern zu lassen und ein paar Geschenke zu besorgen.

Dann ist Weihnachten - aber eigentlich auch nicht so wirklich. Das, was Rehema mir über Weihnachten bei Familie Chanyeghea erzählte, stimmt dann irgendwie doch nicht - außer das viele Essen. Ich bin nur mit David, Mama, Baba und Ema in der Kirche, die sich nur für den Gottesdienst herausgeputzt haben. Zwei Geschwister mit ihrer Familie kommen gar nicht erst und irgendwie habe nur ich etwas verschenkt.. Sie haben sich natürlich sehr süß  über die Geschenke gefreut und dann hat sich das ja natürlich auch gelohnt, unangenehm war mir das aber schon.

Naja, Weihnachtsfeeling kam da leider nicht so auf, doch habe ich auch von vielen anderen Freiwilligen gehört, dass sie Weihnachten mal so ganz anders miterleben durften. Und Weihnachten kommt ja alle Jahre wieder und nächstes Mal dann auch wieder so wie man es kennt und liebt.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag geht es für mich dann auch wieder nach Tanga, denn Silvester wird mit den anderen Freiwilligen aus Tansania und Uganda auf Sansibar gefeiert.
Nach einer sehr anstrengenden und hektischen Tagesreise von Tanga bis Sansibar, komme ich endlich am Fährhafen von Stone Town, die Hauptstadt Sansibars, an, wo ich von Johanna und Luise aus Bukoba und Sam aus Mwanga abgeholt und zu unserem Hostel mitten in den berühmten, verwinkelten Gassen Stone Towns gebracht werde. Ich schmeiße nur schnell meinen Backpack ins Zimmer und erkunde direkt die kleinen Gassen mit den drei anderen. Tücher, Kangas, Stoffe, Ketten, Ohrringe, Kleider, Gewürze, Gemälde, Schnitzereien, und vieles mehr wohin das Auge fällt. Am Abend treffen wir auf der Dachterasse auch endlich auf all die anderen. Nina und Jannis aus Singida, Kris, ebenfalls aus Mwanga und Gabi, die ganz aus Uganda angereist ist. Diese Truppe war ohne mich schon im Norden Sansibars, in Nungwi, und können mir nicht oft genug unter die Nase reiben, was ich alles verpasst habe. Einsame Strände weiß wie Schnee, klares, türkisblaues Wasser, Schnorcheltrip auf schönen Korallenriffen... Ein Wort fiel öfters: Paradiesisch. Also, Sansibar, ich komme wieder!

Diese Woche ist aber Stone Twon dran und das ist auch wunderschön. Strahlende Sonne, viele kleine Läden, in denen man viel Geld loswerden kann. Viele Cafes und Restaurants, in denen man mittags und abends auch mal etwas anderes in den Magen kriegt, als Ugali oder Reis mit Bohnen. Straßenstände mit leckerem Brot, Burger oder Chipsi Mayai (Pommes mit Ei). Eine Spice Tour mit einer Führung über eine Gewürzplantage und Strandbesuch und ein Trip nach Prison Island, wo man Meeresschildkröten von bis zu 150 Jahren nicht nur sehen, sondern auch kraueln (ja,das mögen die!) und füttern kann.

An Silvester planen wir, zur groß angekündigten New Years Eve Beach Party in Nungwi zu fahren. Nina lag aber leider schon am Vortag wegen eines heftigen Hitzeschlags flach und irgendwie begann damit unsere Pechsträhne und somit auch das chaotischste, anstrengendste, verrückteste und am Ende auch witzigste Silvester meines Lebens. Hier nur ein paar Stichwörter, um nicht zu viel zu verraten: Flunkyball am Strand, blutende Schläfe, "Hast du meine Freundin geseheb?", "Ist schon 2016?", Krankenwagen, 150$ für einen Tropf, Flucht vor einem Arzt, schlafen am Strand...

Zwei Tage später müssen wir uns auch schon von dieser wunderschönen Insel verabschieden, denn unsere Nachtfähre (übrigens ganz schlechte Wahl) soll uns am dritten in Dar es Salaam abliefern. Es war eine schöne Zeit. Doch etwas hat mich doch gestört. Der ganze Tourismus. Ja, ich weiß, eigentlich bin ich auf Sansibar auch Tourist - aber so viele Weiße in Hotpants und kurzen Kleidern zu sehen und aus jeder Ecke "Hakuna Matata" zu hören, war dann doch schon fast ein bisschen schockierend (nein, weil das so in " König der Löwen" heißt, ist es nicht gleich richtig).

In Dar es Salaam wird sich dann abends auch schon von allen verabschiedet, denn bis zum Zwischenseminar Ende Januar, kehren alle wieder in ihre Projekte zurück. Außer Gabi aus Uganda, die mich in meinen Bergen besuchen kommen möchte.

Erstmal muss sich aber ja noch um das doofe Work Permit gekümmert werden. Die Änderung von dutsch zu german war glücklicherweise aber ziemlich unkompliziert und schon können wir nach zwei Tagen in Dar es Salaam auch schon nach Tanga fahren. Dort übernachten wir bei David. Eine halbe Woche verbringen wir in Tanga: Treffen uns mit Carlota, gehen im Raskazoni Swimming Club schwimmen kaufen eine Gitarre und fahren für einen Strandtag nach Pangani. Danach fahren wir weiter; endlich wieder nach Hause. Es ist schon krass, wie intensiv dieses Heimatsgefühl schon ist...

"Naaaaaane", werden wir begrüßt, als wir mit den Bodabodas (Motorradtaxis) vor meinem Haus stoppen. Gabi wird sofort beschnuppert und ausgefragt. "Ich liebe deine Familie jetzt schon!", verrät sie mir am Abend. Ja, ich auch...

Leider verbringen wir wieder nur eine halbe Woche in Misalai. Ich zeige Gabi das Youth Center und die Grundschule, wir fahren zum Irente View Point, wo man bis zum Horizont blicken kann und von "Guides" abgezockt wird und schauen uns die Soni Waterfalls an.

Dann muss Gabi leider schon gehen. Ihre Reise geht nämlich weiter nach Singida, wo sie Nina und Jannis besuchen möchte. Nach nur ein paar Tagen geht's also schon wieder nach Tanga, denn Gabis Bus fährt schon um 6 Uhr morgens.

Ich habe jetzt also noch eine Woche, um meine ganze Wäsche zu waschen (yaaayyy), mich mit einem Schulleiter zu treffen, die geplanten Bücherregale zu designen und in Auftrag zu geben und die Gesellschaft meiner Familie zu genießen, bevor es dann nächste Woche nach Moshi zum Zwischenseminar geht.

Seid nett zu anderen.
Baadaye!

Lynn

PS: Uff, der ist aber lang geworden, entschuldige...

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