Mittwoch, 27. Dezember 2017

Aus den letzten Ecken meines Gedächtnis gekramt: Einmal um den Lake Victoria (Teil 4)



Nun ist es schon über ein Jahr her, dass ich wieder in Deutschland angekommen bin und ich bereue es, meinen Blog nicht zuende geschrieben habe. War er doch ein Tagebuchersatz, denn – wie sollte es auch anders sein – habe ich auch mein Tagebuch nicht länger als einen Monat geführt. Jetzt sitze ich hier, ein Jahr und vier Monate später, und finde es doof, dass mein Tageblog (oder so?) so plötzlich aufhört, habe ich mich doch letzte Woche noch mit Charly und Annika in Dortmund getroffen und alle Erinnerung herausgekramt, die noch nicht ganz verschwunden waren.

Also tu ich jetzt was dagegen:

Aufgehört haben wir damit, dass ich, nachdem ich Gabi in Uganda besucht habe, nach Kenia zu Noemi, Melina und Ole gefahren bin.

Ich erinnere mich an keine Probleme auf der Busfahrt. In Kisumu angekommen, eine der größeren Städte Kenias, holten mich Milena, Noemi und Ole am Busbahnhof ab. Das erste was mir auffiel: Keine Taxifahrer, keine Bodabodafahrer und auch keine Bajachifahrer wollten mich auf ihr Gefährt ziehen, sondern ich konnte einfach aussteigen…

Noemi wohnte im Haus des Pfarrers einer Kirche im Zentrum Kisumus, gar nicht weit vom Busbahnhof entfernt. Im Vergleich zu meinem Zuhause im Lushoto riesig. Tja, die Pfarrer haben eben viel Geld. Sie arbeitete in einer Grundschule, in die ich sie natürlich begleitete. Die Kinder in Kenia lernen viel schneller und intensiver Englisch, als die Tansanis. Da war ich dann doch schon fast neidisch, da man diese Sprachbarriere nicht hatte. Noemi hat Mathe unterrichtet und Sport, wobei die Kinder natürlich auf Sport mehr abgefahren sind – so anders als in Deutschland ist das dann ja wohl auch nicht.

Von Kisumu bin ich mit dem Daladala (Wie hießen die nochmal in Kenia?) nach Masogo zu Ole und Milena gefahren. Die wohnten in einer ländlichen Gegend, ähnlich wie meiner, nur fehlten dort die Berge. Dafür war es da nochmal doppelt so matschig wie bei mir zuhause und dann war ich doch froh über Milenas Gummistiefel, die zwar zwei Nummern zu klein waren, aber ihren Zweck erfüllten.
Ich habe deren super liebe und aufgeschlossene Familie kennengelernt und ein Ugali gegessen, bei dem mir das Herz aufging. „Das schmeckt ja wie Vollkornbrot!?“
Milena und Ole haben in unterschiedlichen Schulen gearbeitet. In Milenas Schule leitete sie eine Handball-AG, was genau mein Ding gewesen wäre – schade. Sie unterrichtete Englisch, hatte ein kleines Musik-AG-Projekt und hat mit den Kindern viel Fußball gespielt.
Oles Schule war gegen Milenas wesentlich kleiner, ich glaube, weil Milenas eine Privatschule war. Sie bestand fast gänzlich aus Wellblech und das hat mich dann doch wieder geschockt. Dafür waren die Kinder goldig und fuhren total auf meine Kiswahili-Kentnisse ab – und ein bisschen auf meine Haare. Die Lehrer waren alle so alt wie wir (also 18, 19, 20). Ob sich dieses Schulsystem auszahlt? Fraglich.
Dennoch hatte ich dort auch sehr viel Spaß!

Dann bin ich noch einmal zurück nach Kisumu zu Noemi, weil ich von dort dann abends den Nachtbus nach Nairobi genommen habe. Vielleicht hätte ich schlafen können, wenn die Tante neben mir nicht die ganze Nacht gechattet hätte – oder zumindest nicht den Ton auf volle Lautstärke, danke.

Total fertig morgens angekommen habe ich ein bisschen desorientiert nach dem Busbahnhof gesucht, wo mein Bus nach Arusha abfahren sollte. Ich hatte nämlich nicht vor, in Nairobi zu bleiben. Schließlich wollte ich rechtzeitig zum Schulbeginn wieder in meinen Bergen sein. Außerdem ist mir Nairobi zu groß, als dass ich mir das hätte alleine ansehen wollen. Irgendwann habe ich die Busstation tatsächlich gefunden, musste aber noch etwas auf den Bus warten. An der Grenze zu Tansania war es proppenvoll. Es hat sicher 3 Stunden gedauert, bis jeder aus dem Bus ein Visum ergattert hatte und der Bus passieren konnte. Ich hatte natürlich auch bammel, dass das mit meinem Visum rauskommt und ich auffliege und vielleicht doch noch in den Knast muss – aber soweit ist es ja glücklicherweise nicht mehr gekommen.

In Arusha angekommen habe ich mir wieder ein Zimmer in dem Hotel genommen, in dem ich schon vorher war, als ich aus Mwanza kam, habe meine Sachen dort abgelegt und den Tag genutzt, um nochmal richtig viel Geld für Abschiedsgeschenke und Mitbringsel für Familie und Freunde in Deutschland auszugeben – was ein voller Erfolg war.

Nach einer sehr erholsamen Nacht zurück in Tansania, den Backpack voller dreckiger Wäsche, Geschenke und wundervollen Erinnerungen habe ich morgens den Bus nach Hause genommen. Zuhause wurde ich herzlich empfangen. Schon ein krasses Gefühl, wie schön es sein kann, wieder zuhause zu sein.



Baadaya, Lynn

Einmal um den Lake Victoria (Teil 3)


Weiter ging's. Das nächste Ziel hieß Kigoma. Am Vorabend habe ich, wie immer, mein Busticket besorgt. Die Strecke zwischen Mbeya und Kigoma ist sehr weit. Trotzdem dachte ich, es würde einen Dorektbus geben. AM nächsten Tag war klar, ich habe mich total über den Tisch ziehen lassen. Ich habe viel zu viel Geld für einen Bus ausgegeben, den es nicht gab. denn als ich am Busbahnhof ankam, konnte ich ihn nicht finden. "Du bis zu spät", hat man versucht, mich abzuwimmeln. Man steckte mich in einen Rentner von Gefährt, der dann auch nicht bis Kigoma durchfuhr. Ich musste also eine Nacht in Mpanda bleiben. Eine ganz kleine Stadt. Dafür war die Lodge, in der ich blieb, sehr süß eingerichtet. Morgens um fünf musste ich mich wieder aufmachen. Gegen Nachmittag bin ich dann endlich in Kigoma angekommen und am Busbahnhof direkt ein Ticket nach Bukoba, mein nächster Halt, gekauft. Der Bus fuhr aber leider erst am Mittwoch wieder. Es war Sonntag. Zwei einhaln Tage allein. War auch dem entsprechend langweilig. Denn wenn Kigoma einen Markt hat, dann hab ich ihn einfach nicht gefunden. Ansonsten hat Kigoma noch zwei ganz nette Strände zu bieten. Dazu habe ich mir für die erste Nacht auch noch die ranzigste Lodge ausgesucht, in der ich mich eigentlich nicht länger als nötig aufhalten wollte. Aber was machen, wenn man ganz allein ist? Ich hab mich vor die Lodge gesetzt und die letzten Sonnenstrahlen zum Lesen genutzt, da fiel mir ein, dass ja Deutschland an dem Abend das EM-Achtelfinale spielt. Aber wie schauen, wenn ich doch in Tansania bin? Nach etwa zehn Minuten sehe ich am Straßenrand eine Mama Obst und Gemüse verkaufen. Und irgendwie hatte ich Lust auf 'ne Gurke. Also nix wie hin und auf'm Rückweg hör ich plötzlich ganz laut die deutsche Nationalhymne. Ich folgte der Musik einen schmalen Durchgang zwischen zwei Häusern entlang und fand mich in einem überdachten Innenhof wieder, mit aufgereihten Kirchenbänken und zwei Flachbldfernsehern, auf denen ich MüllerBoatenk und Co die Nationalhymne singen sah; die einzige Frau zwischen 15 tansanischen Männern.

In den nächsten beiden Tagen bin ich in eine wesentlich angenehmere Lodge gezogen, habe vergeblich nach einem Markt gesucht und die beiden Strände besucht. Für zwei Tage ein bisschen zu wenig Programm, doch es ging dann ja auch weiter nach Bukoba, Luise und Johanna besuchen.

Der Bus nach Bukoba kam dann auch tatsächlich und dann auch noch rechtzeitig! Dafür fühlt sich die Strecke von Kigoma nach Bukoba uuuunendlich an. 12 Stunden Bus fahren war glaube ich noch nie cool. Abends bin ich dann endlich angekommen und wurde von Luises Gaseltern sehr herzlich empfangen - wir kannten uns schließlich schon. In Bukoba bin ich mit Luise und Johanna zur Schule und ins Kinderheim gefahren und ein Tag waren Luise und ich noch einmal auf Stoffejagd etwas außerhalb der Stadt. Den letzten Abend trafen wir uns mit anderen deutschen Freiwilligen aus Bukoba zum Fußball gucken und ließen den Abend in Bukobas neuen Club ausklingen.

Nach drei Tagen Bukoba ging es für mich nach Uganda, Gabi besuchen. Mein Bus sollte um 9 Uhr abfahren. Letztendlich saß ich dort vier Stunden, bis er dann endlich da war (Die Busse meinten es auf meiner Reise wohl nicht so gut mit mir). Dafür klappte der Grenzübergang reibungslos und nach etwa fünf Stunden bin ich schon in Gabis kleinen Stadt angekommen, wo sie mich abholte. Uganda und Tansania sind so gleich aber so unterschiedlich. Es ist unbeschreiblich. Ich fühlte mich plötzlich so fremd. Fast jeder konnte Englisch und die Kinder, die mich auf Luganda ansprachen, konnte ich gar nicht verstehen, und trotzdem wollte ich immer auf Kiswahili antworten, obwohl das dort in Uganda kaum einer spricht..Bei Gabi habe ich eine Woche verbracht. Wir haben viel bei ihr im Haus gechillt und uns viel erzählt, waren am Äquator, in der nächst großen Stadt und in Kampala, der Hauptstadt Ugandas. Leider habe ich nicht viel von Uganda sehen können, dafür reicht eine Woche nicht, aber totzdem hatte ich eine schöne Zeit mit Gabi. 

Am Samstag bin ich dann nach Kenya gereist, um Noemi, Milena und Ole zu besuchen. Dafür blieb mir leider auch nur noch eine Woche...
 
Fortsetzung folgt…
Baadaye, Lynn